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 Wiesbadener Kurier 31. Januar 1996

„Trunksitzung“ der „Drecksäck“

Alternative Fastnacht auch in Mainz. Klospülung statt Narhalla-Marsch

MAINZ Nun hat auch die traditionsbeladene Narrenhochburg Mainz ihre alternative Fastnacht: Als „Bütt“ dient eine aufgeklappte Mülltonne, der Narhalla-Marsch ist während des fünfstündigen Sitzungsverlaufs nur einmal kurz aus einem Casettenrecorder zu hören und wird vom Geräusch einer Klospülung abrupt beendet: verantwortlich für die erste Mainzer „Trunksitzung“ zeichnet ein neugegründeter Fastnachtsverein – „Die Drecksäck“.

15 Jahre nachdem der Kölner Karneval von der ersten, inzwischen fest etablierten „Stunksitzung“ geschockt wurde, haben sich einige bekennende Fastnachter vornehmlich der lokalpolitischen Szene zu einer Gegenbewegung zusammengeschlossen. Ihnen passten die aus ihrer Sicht verkrusteten Strukturen des alljährlichen Fastnachtsgeschehens und die dafür verantwortlichen konservativen Narrenvertreter schon lange nicht mehr. Devise laut Programm der beiden ersten „Trunksitzungen“: „Drum ham mer uns dazu entschlosse – paar Grüne warn’s und aach Genosse – mal selber in die Bütt zu steige und dene all den Marsch zu geige“.

Diesen Versuch verfolgten zweimal vor ausverkauftem Haus jeweils 250 frohgelaunte, überwiegend phantasievoll kostümierte Gäste mittleren Alters, die nach überwiegender Aussage in den letzten Jahren keinen Saal der herkömmlichen Mainzer Fastnachtssitzungen mehr betreten hatten. Ihnen wurde von den „Drecksäcken“ beweisen, dass es auch „anders“ geht. Die Büttenredner, Sänger und Darsteller des Spektakels hatten bis auf eine Ausnahme noch nie auf einer Fastnachtsbühne gestanden, und sich „einfach mal hingesetzt und was Neues gemacht“.

Heraus kamen originell-satirische Vorträge, die durchaus auch in „normalen“ Sitzungen Bestand hätten, aber auch Bitterböses gegen die bestehende Mainzer Fastnacht. Zur alljährlichen Suche nach dem Fastnachtsmotto wurde beispielsweise vorgeschlagen: „Ob besoffen oder breit – kotzt aufs bunte Narrenkleid!“ Die Traditions-Narren hatten auch vom äußeren Erscheinungsbild der Sitzung her einiges zu verkraften: Kein Elferrat, sondern „rotierend mit 50prozentiger Frauenquote“ nur ein „Sitzungspräsident“ auf einem Sperrholzthron, kein Tusch eines großen Blechorchesters, sondern nach gelungenen Gags nur eine Art Zwischengeräusch der Band mit Elektrogitarren und Schlagzeug, und wenn ein Büttenredner schon mal eine Narrenkappe auf dem Kopf hatte, dann nur quer.

Das Publikum indessen machte begeistert mit und verweigerte sich lediglich ein einziges Mal. Bei der „basisdemokratisch“ ausgerichteten Wahl des Narrenrufs für den Sitzungsverlauf votierten die Zuhörer klar gegen das vorgeschlagene „Sack ab““ und bestanden auf „Helau“.

Richard Schmidt


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de