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Mainzer Allgemeine Zeitung, 12. Februar 2007

Die Meenzer Drecksäck erstmals mit Plakettcher im Haus der Jugend

Vom 12.02.2007

Kohle, Koks, Kokolores" - und Zugplakettcher. Die Meenzer Dreckksäck wildern im Haus der Jugend wieder in den tiefen Schächten der Gegenfastnacht, wollen aber trotzdem mit auf den Zug.  
Von Michael Jacobs

Zwölf Jahre hat der MCV, oft am Rande der Selbstauflösung, im Saal, uff de Gass und in geheimen Kokolores-Kreativ-Schmieden fieberhaft daran gearbeitet, die Drecksäck-Trutzburg zu knacken. Dem blinkenden Bürzel der Umhänge-Ente im letzten Jahr konnten die Alternativ-Fastnachter gerade noch unter Aufbietung letzter Willenskräfte entsagen, doch beim luzide leuchtenden Riechkolben des "Knollennas" steht der Zug jetzt praktisch vor der Tür. Man hätte auch gleich drauf kommen können, dass die Rostra-Rebellen allem widerstehen - außer dem anarchischen Blinken roter Lämpchen. Und während im Haus der Jugend erstmals in der glorreichen Drecksäck-Geschichte ein Bauchladen mit "Knollenas"-Plakettcher die Runde macht, steckt Comedy-Conferencier Günther Beck kurz vor dem Finale der Gefolgschaft, dass die Sendung mit der Wutz als Nummer 150 am Rosenmontag mitrolle - sozusagen als langer Marsch durch die Frohsinns-Institutionen. Doch solange Beck immer noch Zugmarschall Adi Schmelz springteufelhaft cholerisch karikiert, sollte man nicht mit dem Schlimmsten rechnen.

Vor allem auch deshalb nicht, weil die Mega-Ouvertüre der "Kohle, Koks un Kokolores"-Stunksitzung gewohnt großes Kino kommunaler Abgründe bietet. Und weil die Tollheiten rund um Kohlekraftwerk und Stadionneubau mehr als abendfüllend sind, muss als Telenovela schon ein Dreiteiler herhalten. In dem lässt die Mainzer Kohle-Mafia im Weisenauer Bergwerk budeln, wird der Chef des Becker-Clans OB anstelle des OBs, während seine in Russland geschürfte Tochter in der Besenkammer verschwindet. Überhaupt wird viel gekidnappt - vor allem Gaststars. Kurt Merkator und Oliver Sucher landen postwendend im Turm, OB Beutel irrt sonor kaltgestellt durchs Rathaus, Franz Ringhoffer grätscht in Falscher-Hase-Brutzelstuben und Jürgen Klopp über die Europakreisel-Äcker, um schon mal die Laufwege abzugehen. Ein eigener Filmabend dieser perfekt-pointierten Selbstironie-Streifen wäre mal wieder fällig - nicht nur, weil man Jürgen Girtler gerne noch länger beim Schadstoff-Messen mit der Luftpumpe zugesehen hätte.

Weil viel Kommunal-Chaos ins Kino abgewandert ist, eröffnet Alternativ-Protokoller Joachim Knapp das Drecksäck-Liveprogramm mit Geigen-Zähler und satirischen Rundum-Schlägen zur Lage der Nation, ehe die "Laienspielgruppe Deutschland" (Hermann Junglas, Clemens Kalbfuss, Nedim Tuyun , Kolja Zimmerrmann) die Lage am Hindukusch mit militärischer Maskerade, Spanferkelessen und Totenkopf-Kegeln wieder richtet: "Lerne schießen - treffe Freunde. Generell scheinen sich die Drecksäck-Breitseiten mehr ins Kollektivistische und Musikalische verlagert zu haben. Die Hausband "Toni, Ernst und die Hämmerle, um das Roihesse-Bluesmegaphon Hans Becker bringt erdigen Parkhaus-Rock ("diefer Griff ins Portemonnaie und lache duut die PMG"), Prediger Peter Herbert Eisenhuth befeuert mit seinen Chormädels und -knaben wieder souverän süffisant die Geschmacksnerven in Sachen Eva Hermann, Gammelfleisch, Ahmadinedschad und der ultimativen 05-Hymne "Am Tag als Benni Auer traf". Gleich dreimal steigt Markus Höfer-Mehlmer in den Ring und liefert unter anderem mit seinen "lustigen Apathikern" als WM-Posttrauma-Therapeut ein hintergründiges Kabinettstückchen in La Ola-Kunde ab - die Welle in Phasen schockgefrostet auf dem Weg zum aufrechtern Gang. Jahr für Jahr auf der Höhe knallenden Kleinkabaretts leiten Birgit Schütz und Günter Beck zu den Drecksäck-Trögen über, und wenn Beck zum Finale den Vamp in Strapsen mimt, glüht nicht nur eine Knollenas an der Basis.

Der AZ-Jokus geht an die Drecksau, weil sie sich trotz Gammelfleisch über all die Jahre als Symbol erfrischender Alternativfastnacht immer auf der Höhe der Zeit befindet.

 


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de