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Mainzer Allgemeine Zeitung vom 8.2.2010

Gehhilfe von Mörsides Benz

08.02.2010 - MAINZ

Von Werner Wenzel

MEENZER DRECKSÄCK Alternativfastnachter auf dem Weg an die Macht im Haus der Jugend

Die Sau ist daheim, und die Meenzer Drecksäck lassen sie wieder fliegen. Nach einem kalten Gastspiel im Exil-Zelt am Zollhafen feiern die Alternativfassenachter ihre Trunksitzung wieder im sanierten Haus der Jugend. Ob das in der 15. Kampagne noch passt, fragt singend die "Hippie"-Combo, die längst am Flowerpower-Stock geht, aber prahlt wie einst Janis Joplin: "Hey Leut, mein Gehfrei ist von Mörsides Benz, die Stützstrümp von Joop, die kosten immens." In der Tat kommen die Alternativen in die Jahre. Und an die Macht. Denn wo gerade noch ein Oppositionspolitiker den Mächtigen die Leviten las, wird wohl schon Ende dieser Woche ein Bürgermeister auf der Bühne stehen. Schon immer, so lästern Freunde, habe Günter Beck gewusst, dass der Weg zur Macht in Mainz über die Fassenacht führt. Beck selbst aber nimmt sich schon im traditionellen Eröffnungsfilm zum Motto "Agenten 2010 - Jeder lacht für sich allein" selbst auf die Schippe, etwa wenn er sich im Büro von Kurt Merkator als Finanzdezernent abfilmen lässt.

Die Story handelt davon, wie die "00Beckers" das eingefrorene Kohlekraftwerk in ihre Gewalt bringen, bevor die Kohlemafia (mit Jürgen Girtler als Pate Dr. Koks und KMW-Vorstand Detlev Höhne als Mafia-Marionette Detlev Höhne) es wieder auftauen kann - mit "Tatort"-reifem Showdown, in dem Margit und Peter Becker (Birgit Schütz und Günter Beck) den Bösewicht zur Strecke bringen, während Mama Becker (Angelika Spautz) die Welt mit selbstgebastelten Windrädchern zu retten versucht.

Wenn Mainz, "meine unvereinte Stadt", sich von Springer ein Mauerstück schenken lässt, treibt das Christof Eder in die Mülltonne, die als Bütt dient. Und er heischt als rot beschalter Genosse singend um Mitleid: "Wähle mich ein allerletztes Mal!" Vom "Twitter-Girl des Jahres", Julia Klöckner, fordert er: "Komm wieder heim, du sollst Landesmutti sein" - eine starke Nummer.

Eisenhart antiklerikal gibt sich Peter Herbert Eisenhuth in der Soutane des Strafpredigers, zu seinem Chor ebenfalls singend und reimend. Er würdigt protokollarisch die Toten des Jahres, bei ihm "mutierte Michael Jackson irgendwann von Schwarz zu Weiß", mit Kieks gesungen zu "Black and White". Und auch der Papst wird Opfer des ätzenden Spotts: Thomas Negers "Im Schatten des Doms" textet er frei nach Benedikt XVI. Familien- und Gesundheitspolitik für Afrika um: "Wir alle, wir nehmen nie mehr ein Kondom, weil der Papst das will und zeugen zehn, zwölf Kinder."

Der kreischbunte schwul-lesbische Chor "Die Uferlosen" schifft sich wegen des Klimawandels auf der Arche Noah ein, auch wenn es da - naturgemäß - nicht immer klappt mit der arterhaltenden Paarbildung. Als fauchender Vampir steht Joachim Knapp vor seinem Abendessen, nimmt sich dann aber auch der "Untoten" in Berlin an. Dahin habe es aus Mainz den "Bundesweinköniginnenminister" verschlagen, spottet er. "Viele sagen, das ist nicht weit genug weg", aber man könne ja nicht "nicht jeden Zombie nach Brüssel entsorgen".

Reichlich Munition für fast alle Drecksäck aber liefern lokale Skandale zwischen Capri und Tegernsee, Markthäusern und Rathaus, die "Laienspielgruppe" etwa steckt die Männerfreunde Rainer und Jens gleich ins Kittchen, Hermann Junglas als phänomenalen Wiedergänger von Rainer Laub sogar in den Kochtopf. Der deklamiert im kleinkarierten Sakko: "Wenn Bleedheit sich mit Bimbes paart, dann is des Meenzer Lebensart", dazu serviert Dirk Maus "einen Hauch von Fleischworscht mit einer Anmutung von Spundekäs".

Unübertroffen sind in diesem Jahr die Zwischenspiele mit der famosen Birgit Schütz und Günter Beck. Da gibt´s närrische Lokalnachrichten und Nachhilfe in Stadtpolitik. Am Playmobil-Modell erklärt Beck eine Stadtratssitzung mit neuem Kuschelsitz für die Ampel im Stadtvorstand, redet sich in einer Parodie auf den Linken Dieter Hofem in Rage, entschuldigt sich ("Wenn ich so mit dem Stadtrat spiel, gehen mir manchmal die Gäul durch"), glänzt später als schoppesüchtiger MCV-Zugmarschall Ady Schmelz und gibt sogar den Präsidenten einer virtuellen MCV-Sitzung mit virtuellen Garden. Den Protest der Zuschauer, als er die MCV-Kapp aufsetzt, schmettert er ab: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s völlig ungeniert", zitiert er. "Und ich weiß, von was ich rede..."


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de