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Nur bei Aldi gibt's noch echten Sozialismus

Meenzer Drecksäck feierten ihre vierte Trunksitzung: Jürgen Girtler, Günter Beck und fünf Knackärsche ließen's krachen

Jetzt sind sie am Zug, die "Meenzer Drecksäck". Entsprechend genießen die "annern Fassenachter" ihr neues Verhältnis zur Macht in vollen Zügen. Und bereiten ihren Gästen im Haus der Jugend einen großen Bahnhof.

Von Werner Wenzel

MAINZ. Jetzt sind sie richtig dabei, bei der Fassenacht. Auch wenn sie sich "annern Fassenacht" nennen. Die "Meenzer Drecksäck" folgen dem Zug der Zeit. Schließlich hat's auch in Bonn eine Partei, die sich mal als "anders" verstand, zu Regierungsämtern gebracht. Und schon wird ein Problem der Drecksäck klar: Ihnen fehlt der rechte Gegner, das Establishment besteht aus Freunden. Also biedern sie sich an. Das tun die links-alternativen Fastnachter nicht wirklich, sondern nur im Film, dem bewährten Eröffnungsspiel der Trunksitzung. Rot-grüne Mainz-Bonner Verbindungen werden da gepflegt, etwa mit den Politgrößen Eckhart Pick, Christian Sterzing und Erich Stather. Und natürlich prägt die Kult-Familie Becker den Film, die bei den Drecksäck den Ton angibt: Wie immer mit Angelika Spautz , Dieter Kramer sowie dem Moderatorenpaar Günter Beck und Birgit Schütz. Trauer um Helmut Doch mit dem Anbiedern ist es nicht wirklich weit her. Denn schon Jürgen Girtler verzweifelt: "Helmut, was mach ich bloß? Habbe die den Helmut abgewählt." Kein Wunder, daß Girtler in seiner furiosen Kabarettnummer der alten Regierung hinterherweint: "Was ist dann lustig an Trittin?" Rund eine halbe Stunde fegt Girtler vom Mainzer Müll ("Die glänzendste Idee seit dem Zweiten Weltkrieg: den Mainzer Scheißdreck komplett nach Wiesbaden") zu Chiracs Sprachproblem ("Monsieur Schredder"), vom "späten Kanthersieg" des Otto Schily bis zur "linguistischen Diaspora jenseits vun Ewerschum". So vielseitig ist keine andere Nummer des Abends mehr, so temporeich nur noch eine, für viele Gäste die beste des Abends: Günter Beck als Aldi-Süchtiger. Den letzten Hort des Sozialismus ("Vor der Kassiererin sind wir alle gleich" und "Champagner fürs Volk") hat Beck da entdeckt. Etwas ruhiger, aber ebenfalls sehr komisch kommt die Kokolores-Nummer von Markus Höffer-Mehlmer daher, der "Schäfle live" moderiert - ganz nah am echten Leben. Als TV-Psycho-Tante weiß er da sogar einen Rat für den anonymen Oberbürgermeister mit dem Decknamen Jöns, der nicht auf Kommando fröhlich sein kann. Beliebtes lokales Spottobjekt ist aber nicht nur der Mainzer OB, sondern auch Norbert Schüler. Als Platanenkiller taucht er in mindestens vier (oder waren's noch mehr?) Nummern auf. Etwa beim sehr traditionellen Vortrag von Thomas Schäfer, dem sensiblen Mann aus der Männergruppe, der "ein Stück weit irgendwie" den Szene-Jargon persifliert. Er attackiert aber auch den Grünen-Dezernenten Hans-Jörg v. Berlepsch, den man vor allem beim Rotwein oder beim Laufen sieht ("Das is e harter Job. Wer joggt schon gern mim dicke Kopp") und empfiehlt einem CDU-Dezernenten gar "Viagra fürs Hern". Sketche mit Risiko Auf der Suche nach der Spontaneität der Drecksäck-Anfänge geht eine Gruppe um Bernd Weisbrod, Stefanie Mittenwzwei und Birgit Schütz ein hohes Risiko ein. Aus Stichworten aus dem Publikum wird ein Sketch gebastelt: Das muß nicht immer funktionieren, Hauptsache, es macht Spaß. Hohe Anforderungen stellt Joachim Knapp ans Publikum. Seine Reime als arbeitsloser Inquisitor sind kunstvoll gestrickt und nicht auf einfache Lacher angelegt. Und vielleicht auch manchem Altlinken zu kritisch. Nix ändert sich, so seine These zur Bundespolitik: "Neuer Arsch auf alten Sitzen". Noch schwerer hat's der "Glöckner von unserem Dom", Peter Herbert Eisenhuth. Seine Attacken auf die katholische Kirche - vom Ministrantenmißbrauch bis zur Debatte um die Abtreibungspille - sind so heftig, daß manchem Besucher das Lachen gefriert. Volkstheater à la CSU, Grüne und PDS persiflieren Birgit Schütz sowie - als brillant aufspielende Neulinge bei den aktiven Drecksäck - Nedim Tuyun und Christopher Ströbel: "Wenn der Gamsbock zweimal klingelt". Texte mit Hang zum Zynismus liegen auch den "freundlichen Zugbegleitern", der ersten echten Hauskapelle der Drecksäck. David Meisenzahl am Schlagzeug, Jürgen Kochler am Baß sowie Sänger und Gitarrist Johannes Klein als Frontmann bringen neuen Drive in die Trunksitzung, und sie kommen hervorragend an. Eine Entwicklung ist auch bei den singenden Damen der Mixed Pickles erkennbar. Sie sind - auch in Heilsarmee-Kluft - entspannter und frecher als in den Vorjahren. Lokalpolitik und Musik gibt's beim Stadtrundgang mit der A-cappella-Gruppe. Da wird aus "Dust in the Wind" in Mombach "Stinkige Luft". "Wo unsre Wiege stand, wird bald der Müll verbrannt." Eine Stärke der Drecksäck im vierten Jahr: Kurznummern von Günter Beck , wenn er als Live-Kino-Spot für "Das Kettensägenmassaker" auftritt: "Rambo war gestern, Nobbi ist heute" oder als "grüne Spitzenkandidatin" für die Kommunalwahl - von wegen Quote - auf die Bühne trippelt. Aber wozu Quoten? Die Damen haben - im vierten Jahr hintereinander - einer reinen Herrenriege am lautesten zugejubelt: dem Männerballett. Oder galt der Jubel gar nicht den Herren, sondern den Körperteilen, die Günter Beck als "Knackärsche" angekündigt hatte? Hauptsache, es macht Spaß, und die Drecksäck toben. Und das haben sie nun wirklich getan.


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de