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Mainzer Rheinzeitung, 8.2.2010

 

Drecksäck lassen wieder die Sau raus

Alternativfastnachter wühlen fantasievoll, frisch und frech nicht nur im Mainzer Sumpf - Laub-Hütten-Fest auf Domplatz

Sie sind schräg, bissig und kennen keine Gnade beim Austeilen: Die Meenzer Drecksäck laufen auch in dieser Kampagne zur Höchstform auf.

MAINZ. Das mit dem Anderssein ist so eine Sache. Die Meenzer Drecksäck - einst angetreten als "anner Fassenacht" - sind in ihrer 15. Kampagne zu einem festen Bestandteil der Mainzer Fastnacht geworden. Und haben sich über die Jahre den einst so verschmähten Traditionalisten angenähert - offensichtlich mit Zustimmung des Publikums: Im vollen Saal im Haus der Jugend belohnten die Besucher jede Nummer: Ob nett, bissig, schräg oder mutig, immer wurde die Sau gefordert und drehte über den Köpfen ihre Runde. Dabei waren die Beiträge immer wieder anders - nicht nur, was Länge und Lautstärke anging.

Energiegeladen und erfinderisch präsentiert sich das Moderatorenteam Birgit Schütz und Günther Beck in Zwischenspielen in verschiedenen Rollen: Im Eröffnungsfilm als 00 Becker, die im Agentenoutfit alles unternehmen, damit das Mainzer Kohlekraftwerk weiter auf Eis liegt, gleichzeitig verteilen sie als stromerzeugende Alternative mit Mama Angelika Spautz Windräder in ganz Mainz. Die waren dann auch der diesjährige "Hausorden" für alle Aktiven. Urkomisch: Beck als Sitzungspräsident. Da hält die Fastnacht der Fastnacht den Spiegel vor.

Vom Anderssein handelt auch der Auftritt des schwullesbischen Chors: Die Uferlosen wollen sich tierisch fantasievoll auf die Arche Noah retten, aber schwule Paare, Rudel, Dreier und Single sind hier nicht erwünscht. Und weil die Zuschauer zu den bekannten Melodien so schön mitwippen, dürfen sie am Ende aufstehen und die Arme schwenken. Wie in den anderen Mainzer Fastnachtssälen. Dort fänden auch die gealterten Hippies begeistertes Publikum. Die Gesangsgruppe erinnert mit zeitgemäßer Musik und blumiger Kleidung an die 60er-Jahre. Mit Nierenspieß, Käseigel, Toast Hawai und Pasta, die noch Nudel hieß, ging"s ihnen damals niemals mies. Da ließen sie lieber die Sau raus statt die Bullen zu holen. Heute nutzen sie eine Gehhilfe von Mercedes Benz, und darauf reimt sich nur Demenz - oder Inkontinenz.

Inhaltlich schwerer wiegt der Auftritt der Predigertruppe um Peter Herbert Eisenhuth, ohne die der Drecksacksitzung ihr zynisches Zentrum fehlen würde. In gewohnt frecher Manier (Krawietz geht, gewählt wird Beck - ein Drecksack kommt, ein Drecksack weg) nimmt er nicht nur Lokalpolitiker aufs Korn, sondern "predigt" auch über die SPD, Koch-Duelle und Michael Jacksons Nase - und natürlich kriegt dabei auch der Papst sein Kondomverbot um die Ohren gehauen.

Lokale, nationale und internationale Prominenz nimmt sich auch Joachim Knapp vor. Als bissiger Vampir stürzt er sich gnadenlos verbal unter anderem auf "Widergängerin Steinbach", "Bundesweinköniginnenminister Brüderle" und "Schwabenschluckspecht Öttinger".

Die Sau auf den Sockel heben Christof Eder, Petra Unger, Martina Staufer und Stefan Frondorf und singen sich gut gereimt die Seelen frei, auch mit dem (AKK-)Ruf "Freiheit, wann kommst du nach Mainz" oder der unverblümten Forderung "Flieger, mach' dich naggisch".

Hintergründig auch die Laienspielgruppe, die viele Themen anreißt und die Geschichte von Jens (Beutel) und Rainer (Laub) erzählt, die aus dem Knast fliehen und nach Ruanda fahren, wo Andrea (Litzenburger) schon als Essen im Kessel sitzt. Täuschend echt: Hermann Junglas als ehemaliger Wohnbauchef, der Holding mit Binding verwechselt und jährlich auf dem Domplatz Laub-Hütten-Fest feiert. In zwei Rollen ist Markus Höffer-Mehlmer zu erleben: Als Bauarbeiter kalauert er so vor sich hin, als "et Dolores Kölle" schießt er Pfeile in die Bundespolitik, beschreibt die vom Turnerbund eingeführte Westerwelle oder Öttingers Sprachschöpfung "schwenglisch". Alles in allem: bunte, witzige, versaute, ideenreiche (auch wenn etliche Witze schon bekannt waren ), vor allem aber engagierte Auftritte, die auch durch die beschwingte Band Dudens Delirium zu einem Genuss für alle Sinne wurde.   

Irmela Heß

 

 


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de