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Pinkeln ohne Brille und andere Eigenheiten: Die "anner Fassenacht" begeistert auch im dritten Jahr ihre dankbare Fangemeinde im Haus der Jugend

Drecksäck zelebrieren Brauch und Kult

Aktiveninventar ist erstaunlich konstant: Nur ein neuer Redner

Wenn der Moderator versichert, beim Pinkeln die Brille abzusetzen, ist zu vermuten, daß er sich in seinem Leben ab und an mit dem Thema Emanzipation zu befassen hatte und dies nun närrisch verarbeitet hat. Und wo kann er das? Bei den Meenzer Drecksäck natürlich, die sich für ihre dritte Kampagne wieder genauso viel haben einfallen lassen wie in den beiden Jahren zuvor.

Von Armin Thomas

MAINZ. Am Samstag abend kam ein überaus dankbares Publikum ins Haus der Jugend, wo die linke Trunksitzung, die inzwischen schon zur "Kultsitzung" avanciert ist, von Anfang an beheimatet ist. Apropos links und Kult: Brauch ist bei den Drecksäck, daß das Publikum mit einem Film eingestimmt wird. Dieses Jahr kommt da sogar TV-Sitzungspräsident Hans-Peter Betz zu Wort, der den Drecksäcken bescheinigt, der "größte Treffpunkt ehemaliger Linker zu sein - nach IKEA." Wohlgemerkt: "Ehemaliger Linker." Brauch ist auch, daß Birgit Schütz und Günter Beck (der ohne Brille pinkelt) das Happening moderieren und sich dabei viel Mühe geben, mit abwechslungsreichen Varianten zu unterhalten. Und sowohl in den Rede- als auch in den Musikbeiträgen der Drecksack-Akteure wird wortgewandt immer mal wieder auf die etablierte Fastnacht "geschennt", werden Margit Sponheimer oder die Hofsänger parodiert. Die Drecksäck fühlen sich der Tradition der Mainzer Fastnacht offenbar sehr verpflichtet und das Publikum auch. Auf Reime gibt's meist mehr Beifall als auf Prosa. "Helau, helau, ich will euch schunkeln sehen" heißt denn auch ein Lied der Drecksack-Hausband "Se Bummtschacks". Allein: Geschunkelt hat an diesem Abend niemand. Manches ist halt irgendwie doch ein bißchen "anners". Die Nacht in Paris Das Aktiveninventar der Drecksäck ist in den drei Jahren ihres Bestehens indes erstaunlich konstant geblieben. Thomas Schäfer steigt als "Engel von Meenz" in die Mülltonne (statt Bütt). Und wenn er etwa reimt von "Leute von noch weiter hinte", freut sich das Publikum, weiß es doch, jetzt folgt am Ende das Wort "Finthe". Markus Höffer-Mehlmer gehört als "Märchenonkel" in die Reihe derer, die das Thema "Lady Di" ansprechen: "Wenn sie Gymnastik macht, hat nicht nur das Komitee gelacht." Auch "Prediger" Peter Herbert Eisenhuth und seine Drecksack-Singers bemühten sich nicht, diesen heiklen Stoff auszulassen: "Die Nacht war dunkel, nicht sehr kalt, als in Paris ein Wagen knallt / frontal an eine Tunnelwand. Den Fahrer hat kein Mensch gekannt, doch auf dem Rücksitz waren dabei / Dodi, der Dödel, und Prinzessin Di." Rotzfrech! Auch Dieter Kramer spricht ein Thema an, das bei anderen Vereinen meist gemieden wird: Als "Katholikentagsutensilienverkäufer" bietet er nicht nur "Bier, Werschtcher, Rosenkränz" an, sondern auch "Krakauer und Ratzinger im Naturdarm". Den närrischen Orden des Bischöflichen Ordinariats (BO) bekommt er dafür sicher nicht. Die Bindinghaut-Entzündung Jürgen Girtlers "Geile Nummer" kam am Ende des zweiten Teils wieder prima an, obwohl der Mann mehr kabarettistische als fastnachtliche Qualitäten hat. Aber das Publikum schätzt seine Art des Vortrags ("mit Bindinghaut-Entzündung den Elchtest bestanden") offenbar sehr. Beim "Klon-Treff" versuchen die Ur-Drecksäck Rainer Christ, Markus Höffer-Mehlmer und Dieter Kramer einen gewissen "Robert Spießker aus Mainz" zu klonen. Unter Anleitung eines Professors Dr. Dr. Stein ("Ich heiße Stein, Frank Stein"), der sich rühmt, zu DDR-Zeiten schon die Sportler für die Pinkelproben dupliziert zu haben, machen sie ihre Versuche. Nur bei Mario Basler und Lothar Matthäus scheitert "Frank Stein": Der IQ bei den beiden Bayern-Fußballern liege nämlich unter deren Schuhgröße. Und da ist Klonen nicht möglich. Neu in der Riege derer, die sich bei den Drecksäck dem Kampf gegen Mucker und Philister verschrieben haben, ist Joachim Knapp , der kurioserweise übrigens mit einer Originalbrille von Rolf Braun auftritt. "Einen sehr verehrten Abend, meine guten Damen und Herren", wünscht er als "Nachrichtensprecher" seinen Zuschauern. Und das haben sie bei diesem klassischen Vortrag. Aber auch er wird den Orden des BO übrigens nicht bekommen, verteilt er doch (verbal) delphinförmige Kondome mit der Aufschrift "Auch Katholiken kommen". Zurück zur Musik: Erste Standing ovations heimsen sich die A-cappella-Gruppe ( Monika Glaser , Dieter Kramer, Barbara Loch, Stefan Keller, Anke Eckhardt-Würz, Angelika Spautz ) mit Parodien bekannter Fastnachtslieder ein. So singen sie zur Melodie von "Am Tag, als Conny Kramer starb" einfach "Am Rosenmontag bin ich geboren". Nach einer "Müllnummer" von Barbara Lampe und Astrid Becker präsentiert "Professor Schwarzbrot" alias Bernd Weisbrod mit seiner Gruppe (Birgit Schütz, Stefanie Mittenzwei, Burkhard Lewe, Walter Matheis, Nora Weisbrod und Katharina Baumann) eine originelle Version des Nibelungenliedes. In der Birne ganz weich Ein "prämenstruelles Syndrom" versuchen Catharie Gobin, Katrin Forstmeyer, Andrea Schwind und Sandra Wiebelt bühnenreif zu stricken. Auch die Gruppe "Mixed Pickles" tritt auf und bekommt artig Beifall. Die "Hinterhofsängerinnen" (Antje Dörr, Gisela Kirschstein, Christiane Pfeiffer, Barbara Schmid-Schader, Andrea Schwind, Silke Wernet, Sandra Wiebelt) intonieren Grönemeyers "Männer"-Lied: "Außen hart und in der Birne ganz weich." Hat Spaß gemacht. Wie auch die Männertanzgruppe (Gerold Brand, Klaus Cartus , Rainer Christ, Thomas Dang, Charles Frank). Da merkt man, daß die Herren monatelang geprobt haben. Respekt! Und damit sind wir am Ende. Das waren sie: die Drecksäck in ihrer dritten Kampagne.


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de