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Mainzer Rhein-Zeitung vom 20.02.2006

Rosarote Sau im Dauereinsatz

Peter Becker ist OB: Drecksack-Figur der ersten Stunde erschlich sich die Gunst der Wähler - Fünfteilige Telenovela kam toll an

Frech, frisch und fröhlich lästern sich die Meenzer Drecksäck durch ihre elfte Kampagne. Das machte die erstklassige Trunksitzung der Alternativfastnachter am Samstag im Haus der Jugend deutlich.

MAINZ. Wenn bei den Meenzer Drecksäck die Drecksau über das Publikum fliegt, ist das das Zeichen höchster Ehrerbietung des närrischen Auditoriums - vergleichbar mit einem Uiuiuiuiui plus "Rakete" bei einer konventionellen Sitzung. Bei der kurzweiligen Trunksitzung am Samstagabend im rappelvollen Haus der Jugend ließen die Zuschauer nach nahezu jedem Beitrag das rosarote Plüschschwein über die Köpfe kreisen, so gut kamen Redner, Tänzer, Sänger und Musiker bei den Narren an. "Drecksau, Drecksau, komm, komm, komm!", schallte es immer wieder durch den kleinen Saal. Kein Wunder, dass inzwischen schon die Drecksau dritter Generation ihren närrischen Frondienst verrichtet, wie die gut aufgelegten Moderatoren Birgit Schütz und Günter Beck berichteten. Die beiden glänzten in lustigen Zwischenspielen mit schrägen Themen: So kämpfte Zugmarschall Ady Schmelz mit einem schließlich explodierenden Zugplakettche.

Neu ist in dieser Kampagne, dass der kurze Eröffnungsfilm, der das Lokalgeschehen glossiert, zu einer fünfteiligen Telenovela ausgeweitet wurde - ein Experiment, das überaus gut gelungen ist. Der Fünfteiler mit dem Titel "Nur die Liebe quält" sorgte für viele Lacher. Die Geschichte dreht sich um den neuen Mainzer OB Peter Becker ( Günter Beck ), der die Fußball-WM nach Mainz holen will, um sich im Ruhm zu sonnen. Dabei tappt er von einem Missverständnis ins nächste. "05-Dauerkarten für alle!", verspricht er den Wählern - was er nicht halten kann und ihm sehr übel genommen wird. In Gastrollen sind übrigens etliche Mainzer Promis wie Finanzdezernent Kurt Merkator, Sozialdezernent Michael Ebling oder 05-Präsident Harald Strutz zu sehen.

Erster Redner des Abends war "Bushpilot" Joachim Knapp, der sich mit seinem kernigen Spruch "Willkommen, Männer!" erst mal den Unmut der Hälfte des Auditoriums zuzog. Er machte deutlich, welch hohes Anforderungsprofil ein solcher Pilot erfüllen muss. "Das ist ein Job für Männer ohne Gewissen, Nerven und Gehirn!"

Besonders bissig und bösartig ist in dieser Kampagne "Prediger" Peter Herbert Eisenhuth und sein Chor. Über Xavier Naidoo und seine "Söhne Mannheims" reimt er: "Und wenn ein Furz meine Lippen verlässt / dann schreib ich dazu einen Text!" Keinen Erfolg hatten seiner Meinung nach die hohen Sicherheitsvorkehrungen beim Bush-Besuch in Mainz. "Wie kam an so viel Polizei / der Schwachkopp unversehrt vorbei?" Die Gruppe war mit dem "Charles-Camilla-Rap" im zweiten Teil noch einmal zu sehen.

Eine Klassik-Pauschalreise mit dem Rosen-Mozart-Express nach Wien hatte die Gruppe "Mo-zart, Mo-grob" gebucht. Dabei wurden die Namen vieler Komponisten in die Dialoge eingebaut. "Die Vogelgrippe hab ich, ja / bin trotzdem lustig trallala!", sang Angelika Spautz.

Markus Höffer-Mehlmer erzählte als Professor auf der Kinder-Uni das Märchen der "Berliner Stadtmusikanten". Das witzige Puppentheater um den roten Teufel Gerd und Joschi, das grüne Krokodil, war allerdings mehr was für Erwachsene. Ein Stück Realsatire war die Parodie "Du bist Deutschland" der Laienspielgruppe beim Arbeitsamt. Um Hingefallene kümmert sich der Fall-Manager. Die Lösung: Arbeiten im Seniorenkaufhaus bis 87 Jahre.

Auch im elften Jahr auf der Suche nach der Synchronität war die Männertanzgruppe, die in Lack und Leder über die Bühne wirbelte. Mächtig Dampf machte die Band "Toni Ernst und die Hämmerle", die rockige Lieder in humorvolle Texte packte ("Die erst Worscht ist die eeglischst").

Das "Raumschiff Uferlos" des schwullesbischen Chors erinnerte an die Schreckensherrschaft von "Darth Näscher" und bestach mit schönen Kostümen. Mit der "Fassenacht global" von Markus Höffer-Mehlmer und seiner Gruppe, einer Reise in die Fastnachtshochburgen China, Botswana und Teheran, endete die sehr lustige Alternativsitzung.

   Oliver Gehrig


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de