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Mainzer Rheinzeitung vom 16. Februar 2004

Fies, frech und fantasievoll

"Geist wär geil": Die Meenzer Drecksäck haben in ihrer neunten Kampagne an Schärfe zugelegt

Ein Motto wie ein Stoßseufzer haben sich die Meenzer Drecksäck für ihre neunte Kampagne auserkoren: "Geist wär geil." Leider fehlt er in Stadt, Land, Bund, so der Befund. Folgerichtig laden die alternativen Fastnachter zur "DummErumSitzung" ein.

MAINZ. Das sei gleich geklärt: Hier ist der Geist sehr wohl noch geil! Während dröge Politgespenster allseits sinnlos walten, ist das Haus der Jugend die letzte Bastion des Esprits - zumindest, so lange es von den Meenzer Drecksäcken in Beschlag genommen wird. Angesichts des sie umgebenden Schwachsinns stöhnen die Mülltüten völlig zu Recht: "Geist wär geil."

"Wir haben uns lange gewehrt gegen die Strukturen der Mainzer Fastnacht", meint Birgit Schütz. "Aber wir sind unterlegen, wir haben einen Protokoller", räumt Günter Beck ein. Hier bekommt das erste, einzige, beste Moderatorenpärchen der alternativen Meenzer Fastnacht Buhrufe zu hören. Ansonsten jedoch überzeugen die beiden rundum - ob als Putzfrau, Oma, Ady Schmelz oder Rudi Völler.

Natürlich ist jener Protokoller nicht freiwillig Protokoller. Aus der Mülltonne bettelt Markus Höffer-Mehlmer: "Ich bin ein Narr, holt mich hier raus." Die Mama hatte ihn zum "Protokoller-Käsding" angemeldet. Später glänzt der Mann als Agent 2010 ("Mein Name ist Blond, Hell Blond"): Per Geheimwaffen wie "Lolf Blaun" ( Lothar Steinborn - Reetz) exportiert er die Fastnacht nach China.

Was sonst Till, ist den Drecksäcken der Gewürzbund. Joachim Knapp dichtet als "Dill" die erste Breitseite gegen die Lokalpolitik: Norbert Schüler hat es ihm angetan, der "Don Quichotte der Platanen", der "Zitadellen- Zombie". Dieser Vortrag ist wie sein Narr: kurz und knapp.

Für die zweite Salve sorgt Prediger Peter H. Eisenhuth: " Der Mainzer ist ein Narr,/ doch so blöd ist er nicht./ Das weiß auch er:/ Krawietz wählt man nicht." Der Geistliche begnügt sich nicht damit, Internationales wird gereimt: "Saddam hockt im Erdloch rum,/ Heino singt sei Tochter um."

Für die dritte kabarettreife Offensive sorgt Jürgen Girtler mit seiner "rustikalen Rohrstock-Pädagogik": ob Struck oder Merkel, "die Trümmerfrau des 21. Jahrhunderts", ihm fällt zu jeder intellektuellen Nullnummer Geistreich- Verächtliches ein.

Vom dreifachen Scharf- zum doppelten Unsinn: "Arzt" Hermann Junglas und seine Patienten bieten ein Panoptikum zur Gesundheitsreform. Obdachlose werden fix abgefertigt: "Das ist 'ne Arztpraxis, kein Pennerheim. Wenn ihr's warm wollt, geht zum Ebling."

Dann die Drecksäck-Version vom "Herrn der Ringe". Sie gerät personalintensiv wie das Original: Der dicke Kohl übergibt seinen Fleischwurst- Ring nicht ganz freiwillig an Schrödo. Und auf geht's damit zum Nero-Schicksals-Berg.

Musikalisch setzen die Drecksäck auf Bewährtes. Der schwul-lesbische Chor "Die Uferlosen" feiert per Märchenstunde die Liebe zwischen Prinzessinnen - und dem Prinzen wird ein (Ab-)Stecher ins Tierreich zugemutet: Mit dem Wolf soll er sich paaren. Spieskers Spießgesellen kombinieren Fastnachtliches mit Poppigem: Nenas Luftballons verschmelzen mit "Heile, heile Gänsje". Die Band "Toni, Ernst und die Hämmerle" verpassen Rocknummern frische Texte: Auf "Stay" schmettert Hans "Ernst" Becker "E bissje länger", Michael "Toni" Lechner glänzt mit einem Solo à la Santana. Die Männertanzgruppe ist dann zum Schreien, diese von der Fastnacht gestählten Körper sind das Allerletzte.

Noch fieser, frecher, fantasievoller ist die Drecksäck-Sitzung diesmal geraten. Und doch, einer fehlte überall, beim Eröffnungsfilm, auf der Bühne und dahinter: Dieter Kramer, der im Sommer verunglückte. "Lieber Dieter", rief Schütz, "ich hoffe, du sitzt in deiner Loge..." Gerd Blase


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de