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Mord im Möhren-Milieu

Mainzer Allgemeine Zeitung, 1. 2. 2016

Von Michael Jacobs

MEENZER DRECKSÄCK Alternativfastnachter retten Mainz-„Tatort“ / Sitzung lustiger als die Polizei erlaubt

MAINZ - Ist dies das Ende? Die Sau gemeuchelt am Rheinufer, geschändet von einer blutorangenen Karotte. Kommissar Beck ermittelt fieberhaft, kann aber auch nicht verhindern, dass dieser „Mainz“-Tatort“ die Zuschauer an den Rand des seelisch Machbaren bringt. Seit Gerd Fröbe sah man keinen diabolischeren Schurken als den Goldfisch-Schoppen wegschluckenden Obermessdiener Andreas Schmitt. Gegen seinen finsteren Gehilfen Begge Peder ist der James Bond-Beißer praktisch zahnlos. Auch OB Michael Ebling kann als Undercover-Flamingo das Grauen im Möhren-Milieu kaum lindern. Allein Mutter Becker kommt dem worschtrünstigen TV-Fastnachtspräsdenten und eiskaltem Bruder auf die Schliche, der, erschlagen von der Drecksau, seiner gerechten Strafe zugeführt wird.

Schon der kriminalistisch-grandiose Einspieler (Regie: Markus Hansen) der Drecksäck-Sitzung sollte dem künftigen SWR-Schupo Harald Schmidt das Fürchten lehren. Da hat die Razzia nach kapitalen Kommunaldelikten, politischen Ganoven und dem Schneider von Günter Becks grellpinkem Ansager-Ornat im schunkelfreien Rückzugsraum „Haus der Jugend“ noch gar nicht begonnen. Als „Gute-Laune“-Profiler legt Joachim Knapp in seinem Protokoll über VW-Abgasdoping und intelektuelle Verdauungsstörungen der AfD erste Fährten, ehe Ottmar Schwinn sich mit dem (Schwenker)-sicheren Herkunftsland Saarland, der Ausweisung von Justizminister Heiko Maas sowie der Schaffung einer Karstadt-Lagune infolge des City-Überflutungsplans von Verkehrsdezernentin Katrin Eder als veritabler Visionär erweist. Kaum hat sich die Wurfwutz von der Übergriffigkeit der enthemmten Saalgemeinde erholt, rollt auch schon das Überfallkommando Jürgen Girtler an. Seine Politanarcho-Show mit Helmut Schmidt-Gedächtnis-Paffen, Fusionsphantasien (Hakle feucht-Henkel trocken) und Politbonzen-Bashing (Söder: „In mir schlummert ein Genie. Es wird aber nicht wach“) wäre allein schon abendfüllend, wird vom Rede-Desperado aber nach einem Donald Trump-Tritt („Gefährlich, wenn Waffen intelligenter sind als der Präsident“) in einem Anflug heroischer Selbstmäßigung abgebremst. Weil mit der „Laienspielgruppe“ – der Name ist reines Understatement – nun eine nicht minder subversive Sketch-Combo (Birgit Schütz, Hermann Junglas, Christof Eder, Sebastian Arnoldi, Monika Glaser, Iris Antoneietti, Clemens Kalbfuß, Thomas Klein, Burkhard Lewe) einen saukomischen Wurst-Deal zur Grundversorgung der Fußball WM in Mainz einfädelt. Wobei die Stadtspitze nebst MCV und dem fluchtgefährdeten 05-Manager Christian Heidel in der Sauna ingeniöse Entwürfe ausdünsten (U-Bahn, Dom-Abriss, 20 Stadien mit Flüsterrasen etc.), während der Metzgermeister schon an Burka-kompatiblen Happen feilt: Rinderbraten Halali – „Ich bin Salamist“. Derart eingestimmt auf interreligiösen Diskurs blasen Chefprediger Peter H. Eisenhuth und seine Ministrantenschar mit Hüftschwung psalmodierend zur sanges-satirischen Rasterfahnung. Ganz vorne im Visier: Xavier Naidoo („Wenn ein Furz meine Lippen verlässt“), Ungarns Hardliner Viktor Orban, die zynische EU-Flüchtlingspolitik, Ex-05-Coach Kasper Hjulmand („Dänen siegen nicht“) und rechte Dumpfbacken: „Pegida macht für die deutsche Frau die Arme hoch – Helau“. Wieder mal eine Messe für sich.

 

Fest vertäut im Schwarzhumor-Gürtel legt auch Haus-Comedian und Köln-Exilant Markus Höffer Mehlmer an sengendem Helikopterseil als „fideles Einsatzkommando“ im Minenfeld von Migration und Syrienkrieg eine Punktlandung hin – mit galligen Einblicken ins IS-Bildungssystem („Kinder, was habt ihr denn in der Bombenbauer-Schule gelernt? Welche Schule?“) oder allgemeine Bedrohungslagen: „Ist das jetzt Winterspeck oder ein Sprengstoffgürtel?“ Als der schwullesbische Chor „Die Uferlosen“ mit Novizin Carina Schmidt gegen Ende zu einer spritzig-frechen Verkehrskontrolle antanzt, hat Conferencier Günter Beck, flankiert von seiner kongenialen Kollegin Birgit Schütz, längst die Sitzungsscharniere mit komödiantischen Glanznummern (großartig die Entlarvung rheinhessischen Spießeridylls mittels Kettensägen-Kahlschlag) inklusive Galopper-Tänzchen mit Tochter Melli Pace geölt. Selbst sein Umswitchen vom schweinsfarbenen Zwirn in veganen Hipster-Modus bringt Erkenntnisgewinn: „Rettet den Wald. Esst mehr Spechte.“ Mit dieser Eingreiftruppe dürften die Drecksäck noch lange dem organisierten (TV)-Frohsinn und seinem Obermessdiener trotzen.

 

 

WER WAR NOCH DABEI?
    Band Toni, Ernst & Die Hämmerle (Hans „Ernst“ Becker, Michael „Toni“ Lechner, Tobias Nessel, Stefan Wippel, Udo Dengel, Julian Michel)

    Weinköniginnen (Karla Martin, Monika Glaser, Stefan Keller, Sebastian Arnoldi, Heike Kaiser, Tina Clüsserath, Stephanie Oehler, Anke Eckhardt-Würz)

    Männertanzgruppe (Wolfgang Gabler, Rainer Christ, Thomas Dang, Klaus Cartus, Andreas Orlik, Stefan Reitz, Regie: Steffi Küchenmeister

 


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de