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Mainzer Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2006

Publikum lässt die Sau raus

Drecksäck brillieren mit furioser Satire-Show zum 11. Geburtstag

Vom 20.02.2006

VonErich Michael  Lang

Zum elften Geburtstag hätte die Wahl eines Prinzenpaares nahe gelegen. Die Meenzer Drecksäck aber wählen von jeher das Fernliegende. Also gibt es in diesem Jahr eine besonders fette, plüschig-rosa Drecksau, die das begeisterte Publikum nicht müde wird, über die Köpfe hinweg durch den Saal im Haus der Jugend zu stemmen. "Drecksau komm!" statt "Ui, ui, ui..."

Saustark! Die Drecksäck liefern über fünf Stunden eine temporeiche, perfekt inszenierte Satire-Show ab, die virtuos auf der Klaviatur der Stilmittel zaubert, mal die tiefen Töne des polternden Klamauks anschlägt, mal die hohen, schneidenden Töne des Spotts durch den Saal schrillen lässt. Zuweilen schlägt Heiter- in Bitterkeit um, so dass jedem Narr das Lachen im Halse stecken bleibt. Pfiffige Moderation wechselt mit strukturierenden Blackouts und der Persiflage der Telenovelawelle, dazwischen Show mit beeindruckend professionell dargebotener Musik, Bosheiten aus der Mülltonne, freche Spielszenen und ein anspruchsvoller Gesang, dessen gepfefferte Texte auch nach 24 Uhr noch deutlich zu verstehen sind.

Lokale wie nationale und internationale Politik- und Gesellschaftsgrößen bekommen ihr Fett weg, und auch den Traditionsvereinen der Mainzer Fastnacht samt ihren Lichtgestalten werden dicke Schmalzbrote geschmiert, natürlich ordentlich versalzen. Grandios die Telenovela "Aber die Liebe quält" als mehrteilige Videoeinblendung. Günter Beck als Oberbürgermeister zwischen Machterhalt und Familienstress: Wunderbar schräg und doch auch so treffend. Zahlreiche Promis haben Gastauftritte mit sichtlichem Vergnügen. Sozialdezernent Michael Ebling als Hartz-IV-Vermittler, Jürgen Klopp als begehrter Bräutigam, Kurt Merkator als irritierte rechte Hand des OB, Harald Strutz als betäubter Restaurantbesucher und viele mehr.

Böse, scharf und absolut perfekt auch die beiden Auftritte von Peter-Herbert Eisenhuth und seiner singenden Truppe. Eine bittere Anklage ist "Es war Sonntag", das den Kindesmissbrauch durch einen Pfarrer thematisiert. Die Irrungen und Wirrungen des britischen Königshauses werden mit ordentlich viel Spott serviert.

Originell ist der Beitrag der Gruppe "Mo-Zart, Mo-Grob" zum Mozartjahr. Schon am Eingang gab es übrigens Mozartkugeln. Komponistennamen sind in den Textlauf der Nummer mit viel Augenzwinkern eingewoben. Auch diese Gruppe bringt gesanglich ordentlich Schwung mit. Das gilt vor allem auch für die stimmliche Leistung des schwullesbischen Chores, der in seinem kunterbunt ausgestatteten Beitrag herrlich überdreht die Geschichte von "Darth Näscher" erzählt, der den Planeten Moguntia mit seiner Art von Fastnacht gefangen hält. Aber die Drecksau schließlich sorgt für Ordnung im Stall.

Hochkarätig Überhaupt sind es die musikalisch hochkarätigen Beiträge, die dieser Sitzung unverwechselbaren Charakter verleihen, so wie auch die gesamten technischen Abläufe mit professioneller Perfektion über die Bühne gehen. Hans "Ernst" Becker mit seiner Band "Toni Ernst und die Hämmerle" wäre allein schon ein abendfüllender Spaß. Cat Stevens´ "The First Cut is the Deepest" wird zum rockigen "Die erst Worschd is die eeglischsd!" Klasse!

Und dann wird zu später Stunde bei den Drecksäck tatsächlich noch "ge-dschunkelt". Ein chinesischer Altfastnachter (Markus Höffer-Mehlmer) erklärt, dass die rhythmische Bewegung auf dem Jangtse erfunden worden sei. Das ist echt drecksäckisch. Sollte es für die Fastnacht mal eng werden in Mainz, bei den Drecksäck hat sie immer Asyl.

Der Jokus geht an die Telenovela "Nur die Liebe quält". Inhalt und technische Umsetzung: einfach toll!


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de