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Drecksäck: Die vielen Rollen des Günter Beck

Mainzer Rhein-Zeitung vom 13. Februar 2012

Dieser Bürgermeister entspricht so gar nicht dem Klischee eines seriösen Verwaltungschefs.

Okay: Günter Beck ist auch nicht im Rathaus, sondern auf der Bühne "seiner" Drecksäck. Die alternativen Fassenachter, die längst zur närrischen Ersten Liga gehören, verwandeln das Haus der Jugend heuer in eine Mischung aus Tollhaus und Spaßbude, in der permanent die Sau rausgelassen wird.

Denn während in herkömmlichen Narrhallen besonders gelungene Vorträge mit dreifach-donnernden Helau-Rufen gefeiert werden, lassen die Meenzer Drecksäck eine überdimensionale Plüschsau auf ihre Zuschauer los, die das gewaltige Vieh zurück zur Bühne jonglieren müssen.

Aber bleiben wir beim Bürgermeister. Beck und seine kongeniale Bühnenpartnerin Birgit Schütz moderieren seit 17 Jahren das Drecksack-Spektakel. So lange gibt es die Trunksitzungen der Drecksäck schon. Deshalb wäre es ungerecht, dem Oberdrecksack vorzuwerfen, er würde seine schrille Spaßshow als Wahlkampfbühne missbrauchen. Natürlich richten sich in diesem Jahr die Augen besonders auf Beck. Doch das Erfolgsgeheimnis der Drecksäck ist das Kollektiv. In dem sich allerdings einige Publikumsrenner herausgebildet haben. Sei es Angelika Spautz, die im legendären Vorfilm (diesmal: 100 Tage ohne Strom) so brillant die typisch Mainzer Mutter Becker und noch viele Rollen mehr gibt.

Oder Peter Herbert Eisenhuth: Der Prediger und sein Chor haben besonders Christian Wulff und Jens Beutel im Visier. Wobei sich der alte OB wohl schämen würde, hätte er so viel geschnorrt wie der Präsident. Und da ein Prediger ja irgendwie auch mit Tod zu tun hat, beschäftigt ihn der verblichene Johannes Heesters besonders stark. Immerhin: Eisenhuth hält sich durch bemerkenswerte Tanzeinlagen fit. Training für die 109?

Garant für Kabarett in der Fassenacht ist Markus Höffer-Mehlmer. Weit nach Mitternacht fliegt der "Büb Käzmann" der MRZ als Engel ins Publikum und bringt die Leute tatsächlich zum Schunkeln!

Der schwullesbische Chor "Die Uferlosen" hat sich erfreulicherweise ein Zeitlimit gesetzt. Gelingt es den Sängerinnen und Sängern nicht, den Saal 11 Minuten bei Stimmung zu halten, detoniert eine von Finther Bösewichten gelegte Bombe. Es gelingt ihnen... Das mit dem Zeitlimit ist übrigens eine wirklich gute Idee! Wir wissen ja: Weniger ist oft mehr. Eine Erkenntnis, die sich weder in weiten Kreisen der althergebrachten Sitzungsfassenacht noch bei manchen Drecksack-Gruppen so recht durchgesetzt hat. Voll im Limit liegt Joachim Knapp: Mit zurückgegelten Haaren berichtet der "Liberale auf der Flucht", kurz Lafi, von Wutbonzen, die den Lafis wegen der nicht eingehalten Steuerversprechen auf den Fersen sind. Köstlich!

Lechzen könnten Frauen und vielleicht auch manche Männer ob eines weiteren Drecksack-Klassikers: das Männerballett. Diesmal im Blues-Brothers-Outfit. Was nicht bedeutet, dass es nicht irgendwann nackte Beine zu sehen gibt.

Neu und gut: Oliver Nieder als der Mainzer Günther Jauch. In seinem Quiz "Wer gewinnt 10 Drecksäck-Euro?" holt er sich irgend einen Zuschauer auf die Bühne, der wirklich harte Nüsse knacken muss. Kostprobe? Welchen Frevel haben die Drecksäcke begangen? a) Zweitmitgliedschaft bei den Eiskalten Brüdern? b) Mitschunkeln bei Mainz bleibt Mainz? c) Teilnahme am Rosenmontagszug? d) Lachen beim Vortrag des "Boten vom Bundestag"? Der Kandidat muss nicht lange überlegen: Antwort c. Richtig! 10 Drecksack-Euro kann dieser glückliche Mensch in Spundekäs und Silvaner investieren.

Alternative Fassenachter werden Verständnis dafür haben, dass der Autor vom Prinzip des alles Erwähnens abweicht. Zwei Hinweise seien aber noch gestattet: "Toni, Ernst und die Hämmerle" sind als Hausband zurückgekehrt. Die älteren, gleichwohl sehr agilen Musikanten ehren den Hausherrn mit einer Coverversion des Golden-Earring-Fetzers "Radar Love": Radar Beck.

Noch ein Hinweis zur politischen Ausgewogenheit: Natürlich finden auch die OB-Kandidaten Michael Ebling (SPD) und Lukas Augustin (CDU) im Drecksack-Programm statt. Das letzte Wort sei dennoch Günter Beck gestattet: "Ich habe auch intellektuelle Seiten." Es scheint tatsächlich so. Thomas K. Slotwinski


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de