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Mainzer Allgemeine Zeitung vom 13. Februar 2012

Meenzer Drecksäck: Beck umschifft mit Selbstironie drohende Wahlkampfklippen

12.02.2012 - MAINZ

Von Michael Jacobs

Als Günter Beck die rosa Riesenwutz zum letzten Mal über die Häupter seiner getreuen Alternativfastnachter fliegen lässt, ist es kurz nach Eins, der Impresario abgekämpft, aber er wankt nicht. „Der hat so viel Energie, da braucht man keinen Windradpark mehr, rühmt Co-Moderatorin Birgit Schütz, obwohl der Frontmann in seinem grellweißen Unterweltanzug aussieht wie Al Capone höchstpersönlich. Nach 16 Jahren „Drecksäck“-Historie mit Obrigkeits- und OB-Spott tritt der Conférencier in der diesjährigen Sitzungskampagne als ernstzunehmender Kandidat auf – eine Situation schönster Dialektik, wobei Beck taktisch geschickt mehr auf gesicherte Defensive als auf Angriff setzt.

War in den legendären Einspielfilmen schon mal die Amtsstube des Finanzdezernenten Schauplatz für kommunalpolitischen Schabernack, so spielt nun die ökologisch wertvolle Dokusoap „100 Tage ohne Strom“ im trauten Gonsenheimer Heim, wo Familie Becker-Spross Beck aus der Dachluke mit dem Schirm auf Naturstrom-Blitzfang geht.

Die Sau saust

Dann startet die „Bunga, bunga Täterä“-Sause, die Sau saust, „Ah, tut des gut, ich hab‘ des so vermisst“, charmiert der schon in Stadtvorstandssitzungen verloren geglaubte Sohn des Hauses. Wohl auch dem Termindruck geschuldet fallen die Überleitungen diesmal kürzer aus, bleiben aber pointierte Meenzerisch-Miniaturen, etwa wenn Beck im Feinripp-Unterhemd Wut-Burger grillt oder nach dem Comeback der Hausband „Toni, Ernst und die Hämmerle“ – die dem Sparfuchs die Blitzer-Hymne „Radar Beck“ widmet – als Losverkäufer ein paar Gitterelemente vom Rathaus locker macht.

Selbstironie ist das beste Mittel gegen Selbstreferentialität – und die beherrscht die „Drecksäck“-Führungsktraft mit polternder Lässigkeit, zockt als Beck-Bengel Puppenmuttis auf dem Spielplatz Hopfengarten ab oder kritzelt den Businessplan für ein Bügelstudio in den Pizzakarton.

Das anschwellende Wahlkampfgetöse draußen vor dem trauten Haus der Jugend bringen andere auf die Bühne. Zum Beispiel Stefan Frondorf als Becks Azubi, der dessen „krasse“ Kampagne – „Der Günter ist überall“ – per „Pay Beck“ für 50 Euro managt, einen aufrüttelnden Radiospot mit der Massen mobilisierenden Botschaft „Liebe MainzerInnen“ lostritt und des Kandidaten Terminkalender aufpoliert: „24 Uhr - Bettenzählen mit Christian Barth im Crazy Sexy“. Oder Peter Eisenhuth, dessen schlagfertige Messdienertruppe nach der Abkanzelung der Großschnorer Wulff und Beutel ihren Oberpriester schon in Feindesland wähnt: „Beck ist fast auf dem Zenit... sitzt er als Nummer Eins demnächst im Schloss bei Mainz bleibt Mainz“?

Piratenpartei-Kaperfahrt mit knallenden Breitseiten

Der lässt sich denn auch nicht lumpen und wankt als Zugmarschall Ady Schmelz selig mit einem Plastikschoppen durch die Frohsinnshölle. Wie zu erwarten war, enthält sich Beck selbst im „Paten“-Outfit mit Borsalino-Hut Attacken auf die Handkäs-Mafia – das erledigt schon die satirisch versierte „Laienspielgruppe“, die einen fast lebensechten Rainer Laub aus dem Wohnbau-Sumpf zaubert, der partout nicht in den rosaroten Schluchsee-Bademantel Marke Himmelreich will: „Ich trag doch net die Klamotte vum Ebling uff“.

Später geht das spritzige „Saubande“-Ensemble auf Piratenpartei-Kaperfahrt mit knallenden Breitseiten gegen das Abwrackwerk Jens Beutels. Und während Beck in der Pause demonstrativ Thekendienst schiebt („Ich brauch das Geld, jeden einzelnen Cent“), macht sich Oliver Nieder mit einer zwar komplett politikfreien, aber äußerst witzigen „Drecksäck“-Ausgabe von „Wer wird Millionär“ bereit, mit der er nicht nur den als Zebra getarnten Saalkandidaten „Herbert aus der Eifel“, sonder auch gleich dessen mitgelaufene Herde beglückt. Näher ran ans Volk geht‘s kaum noch.

Als Markus Höffer-Mehlmer kurz vor Sitzungsschluss als Schutzengel mit ein paar Leichen im Keller todesmutig eine Schunkelrunde einläutet, wachsen die Vibrationen im mächtigen Korpus des Conférencier-Kandidaten bedrohlich an. „Drecksack, Drecksack, hoi, hoi hoi“ detoniert es wie eine Katharsis aus Günter Beck. Und auf Kommando stürmt die Wutz himmelwärts, so als ob sie die Stadt zurückerobern wollte.


Meenzer Drecksäck  |  info@meenzer-drecksaeck.de